„Sie sollen Schwarzmalen!“ So lautete die ungewöhnliche Anweisung für einen nachhaltigen einstündigen Workshop mit dem Titel „Mach(t) was mit dir. Crashkurs BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung)“. Den eigenen ausgewählten Zeitungsbericht zu schwärzen war Teil der sogenannten „Black Out Poetry“-Methode, die die 20 Workshopteilnehmenden ausprobierten.

Werk von Teilnehmer:in Hofer, entstanden bei dem BNE Festival 2021 NRW zum Thema Sticker Street Art.

Die Botschaften globaler Nachrichten wie die einer Zeitung zu verändern, hieße, sie sich einzuverleiben und böte die Freiheit, die Botschaft selber bestimmen zu können, berichtet Bildungsreferentin Marilena Bekierz. Dabei passiere automatisch ein Hinterfragen der ursprünglichen Lesart der Nachricht und die Neugierde, auf welchen Wegen die eigene Sichtweise auszudrücken sei. Diese Methode war nur eine von insgesamt drei etablierten Kunstmethoden, die in dem kurzweiligen Kurs von Marilena Bekierz (Ev. Jugendbildungsstätte Tecklenburg) innerhalb des digital stattfindenden BNE-Festivals NRW am 16. April 2021 genutzt wurden.

Niedrigschwellig, kreativ und kostengünstig hießen die Rahmenbedingungen des Workshops, der vor allem ein Ziel verfolgte: Inspirieren! Lust machen, Zeit in den eigenen Lernprozess zu stecken. Denn genau das sei das Ziel von dem so oft genutzten Schlagwort BNE, so die Referentin Marilena Bekierz. „Nur wer selber begeistert ist, kann das glaubwürdig vorleben und motiviert andere zum nachhaltigen Mittun“ ist sie sich sicher. Auch deshalb waren alle Methoden auf eine insgesamt zehnminütige Anleitungs- und Umsetzungsphase begrenzt. Sie sollten lediglich Appetit auf ein Mehr an Methoden machen. Der künstlich hergestellte Zeitdruck sorgte für das Loslassen überhöhter Perfektions-ansprüche in der Gestaltungsweise.

Theoretisch verknüpft wurden die gewählten Methoden mit den sogenannten „Gestaltungs-kompetenzen“ der BNE, konzipiert von Prof. Gerhard de Haan, und so digital praktisch erlebbar gemacht. Die Workshopteilnehmenden sollen später ihr Wissen als Multiplikator*innen weitergeben können. Die Gestaltungskompetenzen de Haans ermöglichen so die Transformation auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft. Da jedoch Begriffe wie Gestaltungskompetenz oder Transformation einem Großteil des fachfernen BNE-Publikums meist unverständlich erscheinen, entstand bei der Marilena Bekierz die Idee, einen praktischen Crashkurs zur erfolgreichen Vermittlung des BNE-Gedankens zu entwerfen.

Aus Ressourcen im Innenraum oder draußen in der Natur ein Kunstwerk zu schaffen, war beispielsweise eine der Vorgaben zur Umsetzung der Methode „Land Art“. Frei übersetzt und ohne neumodische Anglizismen könnte „Land Art“ als Kunst mit und in der Umwelt übersetzt werden. Die Frage, wer oder was den Blick leitet, was als ästhetisch bzw. natürlich in einer Landschaft und Umwelt empfunden wird, stellte die Weichen für eine Diskussion zum Umgang mit Ressourcen. Genau dies seien die intendierten Fragen, die den Teilnehmenden selbst und später ihren Gruppen für eine Diskussion den Einstieg erleichtern sollten. Mit anderen Menschen größere Land-Art Installationen zu planen, sich zu trauen, Hemmschwellen zu überwinden mit dem Designen sozialpolitischer Sticker für den öffentlichen Raum und dem Willen, eigene Leitbilder zu hinterfragen, waren nur einige der angestrebten Lernziele für den einstündigen Workshop.

Zur Verabschiedung wies die Bildungsreferentin darauf hin, dass die Vermittlung von BNE auf Durchhaltevermögen der Akteur*innen angewiesen sei. Lernprozesse seien zwar für alle Menschen individuell zu bewerten, würden jedoch in der Struktur vergleichbar für alle Lernenden verlaufen und genau darin läge eine reale Chance: die nachhaltige Wirksamkeit von BNE. Diese Einsicht sei keine neue, aber eine, die immer wieder aufs Neue erfahrbar gemacht werden müsse. Wo Emotionen, wie die Freude über eine neu erlernte Methode auf bestehende Kognitive Strukturen der bereitwilligen Lernenden (z. B. das Erkennen über Selbstwirksamkeit) treffe, könne eine Bewegung entstehen, die kein Trend bleibe, sondern zukunftsfähiger Alltag für diese Menschen werde.

Text: Marilena Bekierz

Den vollen Artikel finden sie auch hier: https://www.kirchenkreis-tecklenburg.de/aktuelles/detailansicht/news/schwarzmalen-und-gruen-denken-wie-man-in-60-minuten-die-gruene-muse-der-nachhaltigkeit-finden-kann/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=8414eb4562d763ee28a3a957c133b866

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